Wärmepumpe im Altbau: Ja, das funktioniert!

Über 70% aller neuen Wärmepumpen werden im Bestand installiert. Hochtemperatur-Modelle schaffen 65–70°C Vorlauf — auch mit alten Heizkörpern.

70%+
Installation im Bestand
65–70°C
Vorlauf (Hochtemp.)
+20%
Klimabonus
5–10 Jahre
Amortisation

Checkliste: Passt eine Wärmepumpe zu Ihrem Altbau?

Die gute Nachricht: In den meisten Altbauten funktioniert eine Wärmepumpe. Hier sehen Sie, was ideal ist und was trotzdem geht.

Ideale Voraussetzungen

  • Fußbodenheizung (teilweise) vorhanden Niedrige Vorlauftemperatur = höchste Effizienz
  • Haus teilweise gedämmt Dach und/oder Fenster bereits erneuert
  • Grundstück für Außengerät vorhanden Mind. 3 m zur Grundstücksgrenze
  • Vorlauftemperatur unter 55°C ausreichend Optimaler COP-Bereich der Wärmepumpe
  • Heizlast unter 12 kW Standardmodelle reichen aus

Funktioniert trotzdem

  • Nur normale Heizkörper vorhanden Hochtemperatur-WP schafft 65–70°C Vorlauf
  • Keine oder wenig Dämmung WP funktioniert, Sanierung verbessert Effizienz
  • Vorlauftemperatur 60–70°C nötig Spezielle Hochtemperatur-Modelle wählen
  • Denkmalschutz Innenaufstellung oder Sole-Wasser-WP möglich
  • Baujahr vor 1970 Heizlastberechnung ist wichtig, aber kein Ausschluss

Wann wird es schwierig?

  • ● Sehr hohe Heizlast über 20 kW (z.B. großes, ungedämmtes MFH) → Sanierung zuerst empfohlen
  • ● Einrohrheizung → Umrüstung auf Zweirohr nötig (3.000–8.000 €)
  • ● Sehr kleine Heizkörper mit Vorlauf über 75°C → Heizkörpertausch nötig
  • ● Kein Platz für Außengerät und keine Bohrung möglich → Sonderlösungen prüfen

Vorlauftemperatur: Warum sie so wichtig ist

Die Vorlauftemperatur bestimmt, wie effizient Ihre Wärmepumpe arbeitet.

Vorlauftemperatur COP (ca.) Stromkosten/Jahr Typisch für
35°C 4,0–4,5 750 € Fußbodenheizung (Neubau)
45°C 3,5–4,0 900 € Fußbodenheizung (Altbau)
55°C 3,0–3,5 1.100 € Große Heizkörper (Altbau)
65°C 2,5–3,0 1.350 € Kleine Heizkörper (Altbau)
70°C 2,2–2,8 1.550 € Unsanierter Altbau

Basis: Luft-Wasser-WP, EFH 150 m², 15.000 kWh Heizwärmebedarf, Strompreis 0,28 €/kWh.

Fazit: Auch bei 65°C lohnt sich die Wärmepumpe

Selbst bei 65°C Vorlauf und einem COP von 2,7 verbraucht die Wärmepumpe nur 5.500 kWh Strom (1.540 €/Jahr). Eine Gasheizung kostet für denselben Wärmebedarf ca. 1.800–2.200 €/Jahr — und der CO₂-Preis steigt weiter. Die Wärmepumpe ist also auch im unsanierten Altbau wirtschaftlicher.

Sanierung + Wärmepumpe = Doppelte Förderung

Die klügste Strategie: Erst sanieren, dann Wärmepumpe einbauen. Beides wird separat gefördert — zusammen bis zu 35% mehr Einsparung.

Priorität 1

Dachdämmung

Einsparung15–25%
Kosten10.000–25.000 €
Förderung15% BEG
Priorität 2

Neue Fenster

Einsparung10–20%
Kosten8.000–15.000 €
Förderung15% BEG
Priorität 3

Fassadendämmung

Einsparung20–35%
Kosten15.000–35.000 €
Förderung15% BEG
Quick Win

Kellerdecke dämmen

Einsparung5–10%
Kosten2.000–5.000 €
Förderung15% BEG

Tipp: iSFP gibt 5% Extra-Förderung

Ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) durch einen Energieberater kostet 500–800 € (80% gefördert = 100–160 € Eigenanteil). Dafür gibt es 5% zusätzliche Förderung auf alle BEG-Einzelmaßnahmen — bei einer 20.000-€-Sanierung also 1.000 € extra.

Der ideale Weg: Sanierung + Wärmepumpe

Die optimale Reihenfolge für maximale Effizienz und Förderung.

1

Energieberatung

iSFP erstellen lassen. Zeigt, wo Ihr Haus am meisten Energie verliert und was sich lohnt.

500–800 €
2

Prioritäten setzen

Was bringt am meisten? Meist: Dach > Fenster > Fassade > Kellerdecke. iSFP gibt 5% Extra-Förderung.

Planung
3

Sanieren

Dachdämmung, Fenster, Fassade — je nach Budget und Einsparpotenzial. 15% BEG-Förderung.

2–8 Wochen
4

Wärmepumpe einbauen

Alte Heizung raus, Wärmepumpe rein. Hydraulischer Abgleich. 30–70% Förderung.

1–5 Tage
5

Optimieren

Heizkurve einstellen, Nachtabsenkung prüfen, nach 1. Winter nachregulieren.

Laufend

Praxisbeispiel: Altbau-Sanierung mit Wärmepumpe

Das Haus

  • ● Baujahr: 1978, 160 m² Wohnfläche
  • ● Bisherige Heizung: Ölheizung (28 Jahre alt)
  • ● Heizölverbrauch: 2.200 Liter/Jahr (ca. 3.100 €)
  • ● Zustand: Dach gedämmt (2015), Fenster teilweise erneuert
  • ● Heizkörper: Mix aus alt und neu, Vorlauf 60°C

Die Maßnahmen

  • ● Luft-Wasser-Hochtemperatur-WP: 14.500 €
  • ● Installation + Demontage Öl: 4.500 €
  • ● Hydraulischer Abgleich: 900 €
  • ● 3 neue Heizkörper (Bad, Küche): 1.800 €
  • Gesamt: 21.700 €

Das Ergebnis

Förderung (50%)

−10.850 €

Eigenanteil

10.850 €

Heizkosten vorher (Öl)

3.100 €/Jahr

Heizkosten nachher (WP)

1.250 €/Jahr

→ Ersparnis: 1.850 €/Jahr. Amortisation des Eigenanteils in 5,9 Jahren.

Die 8 wichtigsten Fragen zur Wärmepumpe im Altbau

Ja. Moderne Hochtemperatur-Wärmepumpen (z.B. Daikin Altherma 3 H HT, Viessmann Vitocal 250-AH) erreichen 65–70°C Vorlauftemperatur und arbeiten auch mit normalen Heizkörpern. Die Effizienz ist nicht ganz so hoch wie bei Fußbodenheizung, aber die Wärmepumpe funktioniert zuverlässig.

Was kostet die Wärmepumpe in Ihrem Altbau?

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